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Der Volksmund sagt, daß Ärzte oft sehr musikalisch sind. Daß aber eine erstaunliche Anzahl von Doppelbegabten fast professionelle und einige sogar ganz professionelle Musiker sind, zeigt sich bei tieferem Eindringen in die Materie. Prominente Beispiele sind Albert Schweitzer, der Arzt, Musiker, Komponist und Minister Alexander Borodin aus Moskau, die Dirigenten und Ärzte Giuseppe Sinopoli und Zubin Metha u.a. Alle Musiker-Ärzte tragen wohl "zwei Seelen in ihrer Brust", können sich während des Medizinstudiums oder gar Doppelstudiums mit Musik-Diplom schwer für eine der Neigungen entscheiden. Die Medizin ist laut Sauerbruch "eine eifersüchtige Geliebte" und die Musik fordert ebenso alle Kräfte. Oft wird die intensive Musikausübung nach Studium und Praxiseröffnung jahrzehntelang einfach verschüttet, und es bedarf dann nur eines kleinen Anstoßes, die irgendwo unterdrückten verschollenen Talente doch wieder urplötzlich aufleben zu sehen! In vielen größeren Städten gibt es Ärzte-Orchester, beispielsweise in Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Heidelberg, Augsburg, Hannover, Jena, "MusicaMedica-Orchester", das Deutsche Kinder-Ärzte-Orchester unter Leitung des Wiener Violinprofessors Eduard Melkus, das Bayerische Ärzte-Orchester, das Deutsche Ärzte-Orchester unter Leitung von Dr.med. Dieter Pöller aus München. Auch im Ausland: "Barcelona Ärzteorchester" (Orquestra Ars Medica) und das Taipei-Ärzteorchester PCOT (Physicians Chamber Orchestra of Taiwan). Hier können Sie einen Zahnarzt im Film erleben. Ebenso das Orchestra Medicus Japan.
Viele Ärzte geben auch als Solisten komplette Konzertprogramme. Dr.med. Wolfgang Stadler aus Bad Windsheim, ehemals Gaststudent beim Nürnberger Konservatorium, konzertiert mit seinem Cello, begleitet von einer Pianistin, der Frau eines Kollegen. Er bemerkt, daß die Medizin wie die Musik eine Kunst sind; und bei beiden kann man Kunstfehler machen! Es gibt natürlich auch Jazz-Musiker und Bands der Unterhaltungs- bis Rockmusik. Der Orthopäde Dr.med. Peter Wehling tritt regelmäßig mit Dr.med. Jens Hartmann als Jazz-Klavierduo bei Jahreskongressen des Berufsfachverbandes auf. Dr. Rassweiler leitet eine Urologen-Pop-Band, die mehrere CDs herausgegeben hat. Auch das Orthopäden-Gesangsquartett um Prof.Dr. Neumann aus Magdeburg konzertiert lebhaft mit humoristischen eigenen Arrangements zu medizinischen Themen und hat CDs produziert. Dr.med. Walter Krick, Internist aus Ludwigshafen, hätte nach dem Rat seines Gesangslehrers lieber Berufs-Bariton werden sollen, doch seine nach jahrelangen inneren Kämpfen getroffene Entscheidung für die Medizin würde er, auf das Leben zurückschauend, wieder treffen, obwohl er neben reger Konzerttätigkeit auch schon Fernsehauftritte absolviert hat und mehrere Tonträger tausendfach verkauft hat. Eine Zwischenlösung für Dr.med. Andreas Schneider (Oboe-Diplom in der Tasche) aus Hamburg geht auch: 50/50 als freischaffender Arzt und als freischaffender Musiker! Mit einem Klavierdiplom und der ärztlichen Approbation in der Tasche absolvierte Wolfgang Ellenberger noch das Konzertexamen bei Prof. Conrad Hansen, entschied sich ganz für die Musik und ist international als Konzertpianist mit seinem Bösendorfer-Imperial-Flügel im Handgepäck unterwegs. Seit 1991 gibt er Klavierkurse, die überwiegend von Ärzten besucht werden, der Rekord liegt bei 10 belegten Kursen (von bisher 29 Kursen): Für den Landarzt Dr.med. Peter Schnepp aus Freiensteinau sind die wenigen Klausurtage der Kurse die Erholungsinseln des Jahres nach Dauerdienst an allen Tagen rund um die Uhr.... Seit 1991 gibt Ellenberger seine bewährten langen Klavier-Wochenenden und Kurse für Zusammenspiel mit allen Instrumenten. Seine "Relativitätsformel des Klavierspiels" vermittelt er unter Zuhilfenahme modernster Ausstattung: Computerflügel, Instrumente mit Stummschaltung zum Üben rund um die Uhr und live-Konzerte im Internet. Ellenberger spielte am 17. Juli 1999 in Buchen/Odenwald mit dem Deutschen Ärzte-Orchester das Klavierkonzert D-dur von Joseph Haydn. Als Kontaktbörse wird ein weltweites Musiker-Ärzte-Register aufgebaut (bisher 400 Kontakte) und demnächst soll es online einen ständig aktualisierten Veranstaltungskalender mit Musiker-Ärzten und "Links" zu themabezogenen Seiten geben. Die erklärte Absicht des Allroundmannes ist es, eine zentrale Anlaufstelle für musik- und kulturinteressierte ÄrztInnen aufzubauen. Die Pharma-Industrie setzt sich, wenn auch in bescheidenerem Maße, als es ihr anstehen würde, für die Musiker-Ärzte ein: Die Firma Grünenthal veranstaltet seit ein paar Jahren einen sehr löblichen Klavierwettbewerb und andere bringen gelegentlich CDs mit Aufnahmen von Ärzten als Kundenpräsent heraus. Die modernen Möglichkeiten lassen bestimmt immer öfter eine
ganz andere, angenehme und kreative Seite der "Halb-Götter in Weiß"
erleben: Lassen Sie sich doch beim nächsten Arztbesuch als Musiktherapie zur
Entspannung eine von Dutzenden auf dem Markt befindlichen Musiker-Ärzte-CDs
auflegen...!
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